Ecuador wehrt sich gegen Vorwürfe der USA zur Steuertransparenz

Von Steffen Vogel amerika21

Quito. Ecuadors Regierung hat Kritik an ihrem Steuersystem durch die USA als „einseitig und unbegründet“ zurückgewiesen. Das südamerikanische Land war zuvor in einem Bericht des US-Außenministeriums genannt worden, der 57 Länder mit mutmaßlich mangelnder Steuertransparenz auflistet.

Das Kanzleramt in Quito zweifelte in einer Pressemitteilung die Kriterien zur Anfertigung der Liste als „willkürlich“ an und drückte seine „tiefe Besorgnis über die Erstellung solcher unilateraler und zurechtgebogener Berichte aus, die das internationale Image unseres Landes ungerechtfertigt schädigen wollen“.

Ecuadors Außenminister Guillaume Long sagte, die USA hätten keinerlei Mandat, über andere Länder zu urteilen und sich als „Richter der Welt“ aufzuspielen. Dafür gebe es schließlich internationale und multilaterale Organisationen.

Long finde es „ironisch“, dass die USA, ein Land, das „eine große Zahl von Steueroasen beheimatet“, es für angemessen hält, andere Länder wegen ihrer Transparenz zu kritisieren. Eine Mitteilung seiner Regierung rief die USA dazu auf, sich der von Ecuador gestarteten Initiative gegen internationale Steuerparadiese anzuschließen. Washington könnte unter Beweis stellen, dass den USA wirklich an Ethik und Transparenz gelegen ist, indem sich die US-Regierung gegen die Steuervergehen im eigenen Land vorgehe, so Long weiter.

Ecuador tauchte zum ersten Mal auf der schwarzen Liste zur Steuertransparenz auf. Das US-Außenministerium kritisiert darin, Ecuador mache seine Schulden und vergebene Erdöllizenzen nicht transparent. Der Bericht richtet sich laut Präambel an die Bürger der gelisteten Länder, die von ihren Regierungen Rechenschaft einfordern sollten. Keiner der 57 Staaten ist Mitglied der NATO oder der OECD.

Der Kampf gegen Steuerflucht ist in Ecuador ein heiß diskutiertes Thema: Präsident Rafael Correa hat unlängst einen Volksentscheid zu der Frage gefordert, ob Politiker Geld in Steueroasen anlegen dürfen.